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Reinhold Bilgeri

Singer/Songwriter, Autor, Filmregisseur/Produzent
  • Quichotte von Salman Rushdie
    Rushdies Roman ist eine Generalabrechnung mit Amerika. Er pendelt dabei, wie in einem Vexierbild, zwischen mehreren Ebenen – Erste Hauptfigur ist ein Schriftsteller (er nennt ihn „Bruder“), der sich für seinen neuen Roman einen heutigen, in eine US Talkshow-Masterin verliebten „ Quichotte“ erfindet, ihn auf einen Roadtrip durch‘s  Amerika der Trumpzeit schickt, auf der Suche nach seiner „Dulcinea“ und dabei ein präzises, beklemmend erschütterndes Bild einer zerrissenen Nation und deren unlösbares Wirrsal zeichnet. Er legt dabei die Finger in all die Wunden, die das gebeutelte Land bis an den Rand eines Bürgerkriegs gebracht haben – Rassismus, Hyperindividualismus, der auf Fakten pfeift, die mafiosen Strukturen der Schmerzmittelindustrie, religiöser Fundamentalismus, Fake News, Cyber-Kriege usw. Auf einer weiteren Ebene bringt sich Rushdie selbst ein, indem er als auktorialer Erzähler seine eigene Familiengeschichte und am Ende den eigenen Roman aufschlüsselt. Eine sarkastisch, witzig, poetische Hinrichtung seiner geliebten zweiten Heimat, ein verstörendes Panorama der taumelnden Weltmacht Amerika.
  • Fantasyland – 500 Jahre Realitätsverlust von Kurt Andersen
    Sozusagen der theoretische Unterbau zu Rushdies Roman „Quichotte“.
    Der Kulturjournalist Kurt Andersen erzählt hier die Geschichte Amerikas neu, mit scharf vergrößernder Lupe, von den Pilgrim Fathers bis zu Trump. Wie war das möglich?? Mit einem präzise schneidenden Skalpell seziert er die historisch/politischen und soziopsychologischen Determinanten, die im Laufe von 500 Jahren Schritt für Schritt ein „Zeitalter des Postfaktischen“  begründeten, also eine Abkehr vom kollektiven Konsens über faktische Wahrheiten und damit eine Negation von Wissenschaft und Aufklärung. Die Verschwörungstheorie wurde zur neuen „Realität“. Eine Kombination aus irrwitzigen Fantasywelten tausender Religionsgründer und einer ausufernden Illusionsindustrie befeuern zusätzlich den Hang der Amerikaner zum Magischen und Fantastischen. Bis am Ende das Irreale zum „Faktischen“ wird und jeder sich sein eigenes Universum imaginiert. Wissenschaftsverweigerer und Waffennarren haben in Andersens Amerika die Zügel übernommen und sind gerade dabei die Säulen der Demokratie zu zerbrechen.
  • Butcher‘s Crossing von John Williams 
    Die Geschichte spielt im ausgehenden 19. Jahrhundert in einem Amerika, das gerade aufbricht in eine neue Zeit. Will Andrews, ein Harvard Student Anfang zwanzig, kehrt seiner Universität und damit einer möglichen Karriere den Rücken, folgt einer brennenden Sehnsucht nach Abenteuer und Ungewissheit und macht sich auf den Weg nach Butcher‘s Crossing, einem kleinen Nest in Kansas, um sich dort drei hartgesottenen Büffeljägern anzuschließen – eine Expedition, die die Männer an den Rand ihrer Würde, ja ihrer Existenz führen wird, und am Ende Andrews‘ innerste Seele offenbart. Ein sprachmächtig erzähltes Abenteuer, das aufzeigt wie der Mensch draußen in der Wildnis auf sich selbst zurückgeworfen, die eigenen Abgründe erkennt.
Reinhold Bilgeri (Foto © Jens Ellensohn)
Reinhold Bilgeri (Foto © Jens Ellensohn)

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